Die Tortour an der Tortour aus der Sicht eines Supporters

oder: wie eine Büroklammer auf Reisen ging

Freitag 12.08.2011 02.30 Uhr, Tagwach! Geschlafen, vielleicht 1 Stunde.
03.44 Uhr Im Followcar auf dem Startgelände: Das GPS startet nicht, die Security fordert uns auf die Funkfrequenz zu wechseln und wir haben keinen Kontakt zu unseren Fahrern.
30 Sekunden vor Start, Autotüren werden aufgerissen jeder Supporter wechselt seine ursprüngliche Position.
Stimmung: 10 vor Panik
03.54 Uhr Rennstart.
Die Navigation per Karte klappt, das GPS startet dank den eingeleiteten Massnahmen und die Security wechselt ihre Funkfrequenz.
Vor uns das schöne Bild der 4 Rennfahrer, welche durch die Nacht preschen.
Die Freude auf das kommende Abenteuer nimmt ihren Platz ein.
Links und rechts überholen uns übermotivierte Rennfahrer und ihre Begleitfahrzeuge, um wenig später wieder von uns überholt zu werden. Höchste Aufmerksamkeit und Konzentration sind gefordert.
Egal ob Fahren, „Verkehr regeln“ und am Stromkabel rütteln oder Karte lesen, Navi checken und Funken: man macht ständig 3 Sachen gleichzeitig.
Die Anfangshektik legt sich: Tagmodus
Stimmung: gut, manchmal etwas wirr bis psychedelisch
Die Nutzung einer richtigen Toilette; das Essen einer Tagessuppe...Banalitäten degradieren zum Luxus.
Ca. 15.45 Uhr Fahrer C ist auf der Strecke. Wir müssen 2 Fahrräder auf den Träger am Followcar montieren. Die Halterung erleidet einen Defekt, eine Lösung wird gefunden.
12 Minuten später sind auch wir on the road.
Das Navi zieht seine Bahnen nach Lust und Laune irgendwo, Fokus auf Karte!
Shit, in der Hektik Autostrassenauffahrt erwischt...
Wer sucht der findet, in diesem Falle nach fast einer Stunde unseren Fahrer C!
Stimmung: schwierig bis gereizt
Fahrer D sprintet den Oberalppass hoch, wir machen uns auf die Verfolgung. Auf der Abfahrt vom Gotthard werden wir vom Jäger zum Gejagten und schleudern auf 2 quitschenden Reifen um die Kurven.
Nachtmodus: wir überqueren den Nufenenpass. Vollmond: unglaubliche Bilder!
Samstag 02.00 Uhr vor uns fährt ein etwas unharmonisches Gruppeto aus 4 Hamstern das Rhonetal ab. Stetig dem schwarzen Tannenwald mit der darüber aufgehenden Sonne entgegen... Halluzinationen vermischen sich mit der Wirklichkeit.
04.00 Uhr mit Singen und Dichtungen über Napoleon und Büroklammern versuchen wir dem Schlaf zu entkommen. Versuch gescheitert: Fahrerwechsel, 3 Sekunden später schnarchts auf der Rückbank.
Blicke auf Igel, Dachse, Rehe und wunderbarer Sonnenaufgang sind Lohn für Strapazen.
Etappe 18: Der Akku lädt nicht, es verbleiben 8% Strom. Der Akku lädt nicht, es...Schluss aus!
Wir Enden wie wir gestartet haben und navigieren mit Karte. Im Hintergrund erzählt ein alter Mann seine Lebensgeschichte über Funk, er ist nicht gewillt die Frequenz zu wechseln.
Letzte Etappe: Wir jagen unserem Team hinterher, Geschwindigkeitsgrenzen werden Nebensache. Endlich, 4 STP-Trikots in Sichtweite. Das Ziel erreichen wir zusammen!
Was bleibt: unvergessliche Bilder, Eindrücke und Grenzerfahrungen. Plus die Erkenntnis: Der Unterschied zwischen Affe und Mensch liegt im Zähneputzen lächelnd